In der glitzernden Welt des deutschen Showgeschäfts gehört Höflichkeit meist zum guten Ton, zumindest vor der Kamera. Doch mit 65 Jahren scheint Dieter Nuhr, der Großmeister der intellektuellen Satire, beschlossen zu haben, dass die Zeit der diplomatischen Zurückhaltung endgültig vorbei ist. In einer beispiellosen verbalen Offensive hat Nuhr nun die Maske der bürgerlichen Etikette abgelegt und fünf prominente Persönlichkeiten beim Namen genannt, die er seit Jahren als “Dorn im Auge” oder gar als Gefahr für den gesunden Menschenverstand betrachtet.
Es ist keine bloße Kritik mehr – es ist eine moralische und intellektuelle Kriegserklärung an eine Medienlandschaft, die er für zunehmend verkommen hält.
Jan Böhmermann: Der “Inquisitor im Clownskostüm”
An oberster Stelle von Nuhrs persönlicher Negativliste steht ein Mann, dessen Name allein bei ihm körperliches Unbehagen auszulösen scheint: Jan Böhmermann. Für Nuhr ist der ZDF-Moderator kein Satiriker im klassischen Sinne, sondern ein “gefährlicher Überzeugungstäter”. Er wirft Böhmermann vor, eine “bösartige Propagandamaschine” zu betreiben, die sich feige hinter der Kunstfreiheit versteckt, um Andersdenkende medial hinzurichten.
Der Tiefpunkt dieser Feindschaft liegt für Nuhr in jener Episode des Neo Magazin Royale, in der Böhmermann indirekt dazu aufrief, Nuhr “eins aufs Maul” zu geben, nachdem dieser die Klimaikone Greta Thunberg kritisiert hatte. Für Nuhr war dies die endgültige Entlarvung Böhmermanns als “Schulhofschläger”, der eine Armee von Internet-Trollen befehligt. In Nuhrs Welt ist Böhmermann das Symbol für den Tod der echten Debattenkultur – ein Mann, der moralische Überlegenheit als Waffe schwingt, um jeden zu vernichten, der nicht stramm auf seiner ideologischen Linie marschiert.

Mario Barth: Das “intellektuelle schwarze Loch”
Während die Abneigung gegen Böhmermann politisch-ideologischer Natur ist, trifft den Comedian Mario Barth der blanke intellektuelle Hochmut. Für einen Mann wie Nuhr, der seine Karriere auf Logik und scharfzüngiger Analyse aufgebaut hat, verkörpert Barth den absoluten Nullpunkt der menschlichen Zivilisation. Nuhr sieht in ihm keinen Kollegen, sondern einen “Marktschreier”, der das deutsche Volk systematisch verblödet.
Der Vorwurf wiegt schwer: Barth sei ein Scharlatan, der Millionen scheffelt, indem er “debile Klischees” über Männer und Frauen wiederholt. Nuhr empfindet jede verkaufte Eintrittskarte für eine Barth-Show als persönlichen Schlag ins Gesicht des Verstandes. Es ist der Kampf zwischen dem Anspruch auf Reflexion und der Flucht in die Primitivität. Für Nuhr ist Mario Barth nichts Geringeres als die “kulturelle Pest”, die das Niveau des deutschen Kabaretts eigenhändig hingerichtet hat.
Greta Thunberg: Die “Hohepriesterin der Hysterie”
Nuhrs Zorn macht auch vor globalen Ikonen nicht halt. Greta Thunberg ist für ihn nicht einfach nur eine Aktivistin, sondern das personifizierte Ende des rationalen Denkens. Er verachtet nicht den Naturschutz an sich, sondern die “groteske Heiligsprechung” eines Kindes, das komplexe wissenschaftliche Probleme in emotionale Erpressung verwandelt.
In Thunberg sieht Nuhr die Anführerin einer “verlorenen Generation”, die das Denken durch affektives Gebrüll ersetzt hat. Besonders die Art und Weise, wie sich gestandene Politiker vor einem Teenager verneigen, widert ihn an. Er sieht darin den ultimativen Bankrott der Aufklärung und einen zivilisatorischen Rückschritt in eine Ära des blinden Glaubens. Für Nuhr ist die Greta-Hysterie ein “unerträgliches Spektakel der Dummheit”, bei dem die echte Wissenschaft auf der Strecke bleibt.
Herbert Grönemeyer: Der “Oberlehrer der Nation”

Wenn Herbert Grönemeyer auf der Bühne steht, sieht Dieter Nuhr keinen Musiker, sondern einen “Messiaskomplex auf zwei Beinen”. Er wirft dem Sänger vor, seine Gitarre gegen eine moralische Kanzel eingetauscht zu haben, um das Volk von oben herab zu belehren. Nuhr empfindet tiefen Ekel gegenüber dieser Mischung aus “weinerlichem Gesang und aggressiver Belehrung”.
Für den kühlen Analytiker Nuhr ist Grönemeyer ein “Salonaktivist”, der auf einem goldenen Thron sitzt und über die Nöte einfacher Menschen urteilt, von denen er meilenweit entfernt sei. Er brandmarkt Grönemeyer als Feind der individuellen Freiheit, der den Diskurs vergiftet, indem er jede abweichende Meinung als bösartig darstellt. Es ist der fundamentale Konflikt zwischen dem kühlen Verstand Nuhrs und dem pathetischen Gefühlskosmos Grönemeyers, den Nuhr als “Selbstbeweihäucherung” ablehnt.
Oliver Pocher: Der “parasitäre Abschaum”
Die wohl schärfsten Worte reserviert Nuhr für Oliver Pocher. Hier spricht er nicht mehr über Meinungsverschiedenheiten, sondern über eine “mediale Infektion”. Nuhr verachtet Pocher als einen “skrupellosen Klickparasiten”, der kein echtes Handwerk besitzt und dessen gesamtes Geschäftsmodell darauf basiere, sich am Unglück anderer zu weiden.
In Nuhrs Augen ist Pocher der “Totengräber des deutschen Humors”, ein “virtueller Schläger”, der den Unterschied zwischen Satire und Bösartigkeit längst ausgelöscht hat. Während Nuhr für seine Pointen monatelang feilt, sieht er in Pocher jemanden, der sich im “billigsten Dreck” suhlt, nur um seine schwindende Relevanz zu verlängern. Es ist ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen intellektueller Chirurgie und komödiantischem Sondermüll.

Ein einsamer Rufer in der Wüste?
Diese Liste der fünf meistgehassten Personen ist weit mehr als nur ein üblicher Branchenzwist. Sie ist ein Manifest gegen eine Unterhaltungswelt, die nach Dieter Nuhrs Meinung den Verstand und den Anstand verloren hat. Mit 65 Jahren scheint es ihm egal zu sein, wen er vor den Kopf stößt. Er sieht sich als Verteidiger der Logik und der Aufklärung in einer Welt, die zunehmend von Emotionen, Ideologien und flacher Unterhaltung dominiert wird.
Die Reaktionen auf diesen verbalen Rundumschlag werden zweifellos heftig ausfallen. Doch Nuhr scheint bereit zu sein, diesen Preis zu zahlen. Für ihn ist es die ungeschminkte Wahrheit – eine Wahrheit, die wehtut, die provoziert, aber die vor allem eines will: die Menschen dazu zwingen, ihren eigenen Verstand wieder einzuschalten. Ob man auf seiner Seite steht oder seine Angriffe für maßlos überzogen hält, eines hat Dieter Nuhr zweifellos erreicht: Deutschland diskutiert wieder über das Niveau seiner Stars.